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  Wappen des Komitats Zips (Szepes) um 1910
Dialektologie

Dialektologie in Kurzform

Dialekt
Dialekte sind Ausprägungen einer Sprache. Der Begriff Dialekt ist griechischen Ursprungs (διαλέγομαι, dialegomai) und bedeutet 'miteinander reden'. Er wurde von Philipp von Zeesen (1619–1689) durch den Ausdruck 'Mundart' eingedeutscht. Im Wesentlichen sind 'Dialekt' und 'Mundart' synonym /20/.
Dialekte sind in verschiedenen Sprachen unterschiedlich differenziert, so die deutsche Sprache z.B. viel stärker als die ungarische. Dialekte können sich auf Regionen, soziale Gruppen und Generationen beziehen. Sie sind bezüglich ihres Wortschatzes beschränkter als Hochsprachen.

Dialekterfassung
Das Erfassen von Dialekten, die Datenerhebung, kann durch Beobachtung oder Befragung erfolgen. Die Beobachtung ist mit Hilfe einer Tonaufzeichnung möglich.
Bei einer Befragung können an unterschiedlichen Orten gleiche Fragen gestellt und die Daten verglichen werden. Zudem ist die Erfassung zielgerichteter.
Das systematische Erfassen der Dialekte des deutschen Sprachraums begann Georg Wenker um 1888 durch Befragung. Im Ergebnis entstand der Sprachatlas des Deutschen Reiches /45/, vgl. dazu auch den Abschnitt Die Wenkersätze

Transkription
Um einen Dialekt zu beschreiben, muss eine genaue phonetische Transkription erfolgen. Eine Grundregel ist, dass jedem Laut ein eigenes Zeichen und jedem Zeichen ein unverwechselbarer Laut zuzuordnen ist (Eineindeutigkeit).
Es existiert eine Reihe von Transkriptionssystemen. Die bekanntesten sind IPA (Internationales Phonetisches Alphabet, seit 1888) und das für deutsche Dialekte entwickelte Teuthonista (seit 1924). Teutonista wird zunehmend durch IPA ersetzt, da dieses international genormt und auch für die deutschen Dialekte einsetzbar ist.
Beim Umsetzen einer Lautfolge in Lautschrift kann auf die Merkmale verzichtet werden, deren Fehlen die Bedeutung nicht verändert. Man spricht dann von einer weiten Transkription. Sie wird üblicherweise in Wörterbüchern verwendet.
Die enge bzw. gemäßigt enge Transkription beschreiben die Laute genauer, sind aber nur für wissenschaftliche Untersuchungen von Bedeutung.
Ein genereller Verzicht auf genaue phonetische Transkription ist nur dann akzeptabel, wenn es um einfache Darstellungen geht, wie etwa ein mundartliches Gedicht in einer Zeitung.

Präsentation
Die erfassten Daten können in Form von Aufnahmen auf Tonträgern, in Dialektwörterbüchern oder Wortsammlungen, wissenschaftlichen Darstellungen (z.B. Monografien, Dissertationen) oder kartografisch (Sprachatlanten) dargestellt werden.

Interpretation
Im Vordergrund stehen die Abgrenzungen der Dialekträume und das Klären der Frage, wie und warum Dialektgrenzen entstanden sind.

Dialektologie in der Zips

Sprachwissenschaftliche Anfänge
Hier sind solche Wissenschaftler wie Karl Georg Rumi (1780-1847) /48, 51/, Johann Genersich (1761-1823) /46, 50, 52/ und Samuel Bredeczky (1772-1812) /49/, später Julius Schröer (1825-1900) /41, 42/ zu nennen, die sich um das Erfassen und Untersuchen der in der Zips gesprochenen Dialekte verdient gemacht haben.

Dichtung in Zipser Mundart
Als Begründer der Mundartdichtung in der Zips wird Ernst Lindner (1826-1902) angesehen. Lindner wurde mit seiner 1854 veröffentlichten Ballade Der Karfonnkelstäin (Der Karfunkelstein) und den nachfolgenden mundartlichen Gedichten, Liedern und Erzählungen zu einem der beliebtesten Schriftsteller der Zips seiner Zeit. Darüber hinaus erwarb er auch bei den Sprachwissenschaftlern Österreich-Ungarns hohe Anerkennung für die gute Wiedergabe des Zipser Dialekts um die Städte Käsmark und Leutschau.
Neben Lindner sind weitere Mundartdichter zu nennen, die sich Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts einen Namen machten, wie etwa Rudolf Weber (1843-1915) /54/ aus Deutschendorf (Poprad), der Metzenseifner Peter Gallus (1868-1927) und Franz Ratzenberger (1863-1930) aus Schwedler (Švedlár). Gallus schrieb seine Texte im mantakischen Dialekt, ebenso wie Ratzenberger. Dessens Gedichte sind u.a. im Wochenblatt Karpathen Post erschienen.
Eine Sammlung von Erzählungen und Gedichten in Zipser Mundart wurde 1912 von Emerich Kövi herausgegeben /55/.

Schritte zur Lautschrift
Lindner selbst war es, der die Unzulänglichkeiten erkannte, die beim Verwenden der Zeichen der deutschen Schrift für einen mundartlichen Text entstanden. Er arbeitete an einer Lösung, die er als “Vorläufiger Entwurf eines Schriftsystems zur Bezeichnung der Laute der Zipser und Gründner Mundarten” bezeichnete. Leider schaffte er es nicht, diese Arbeit abzuschließen. Sie befindet sich mit Lindners wissenschaftlichem Nachlass in der Bibliothek der ungarischen Wissenschaften in Budapest.
In seinem Buch Fliegende Blätter in Zipser Mundart /56/ beschreibt er die von ihm verwendeten Zeichen folgendermaßen:
"e ist das stumme,
 ë das geschlossene,
 è und ä das offene e,
 äi und äu offenes e mit nachstürzendem i und u,
 ſh (= frz. j) das weiche ſch,
 ſ weich,
 s scharf,
Laut-Dehnung ist durch Buchstaben-Doppelung bezeichnet."

Ratzenberger, der wie Gallus weitgehend die Zeichen des deutschen und ungarischen Alphabets verwendet, gibt zu seinem Gedicht En Frihling folgenden Hinweis:
"Diese Strophen sind in der 'gründler' Mundart geschrieben; bemerkt sei noch:
é wird wie das ungarische é, doch kurz ausgesprochen, ó wie das ungarische ó."

Lautlehre der Unter-Metzenseifner Mundart (A. Gedeon, 1905)
Eine eigene Lautschrift, die den ersten Entwurf der erstmals 1887 vorgestellten internationalen Lautschrift weitgehend berücksichtigte, verwendete der Metzenseifner Alajos Gedeon /3/, um den Dialekt seiner Heimatstadt zu beschreiben. Für die nötige Eineindeutigkeit der Zuordnung (siehe bei Transkription) entwickelte Gedeon weitere Zeichen durch Verwenden von Nebenzeichen (Akzent- bzw. Quantitätszeichen).

Dialekt-Wörterbuch mit wissenschaft-
lichem Anspruch
(G. Schleusener, 2013)
Ein derartiges Wörterbuch, das konsequent die aktuelle IPA-Lautschrift nutzte, wurde erstmalig 1972 von Gabriela (Müllerová) Schleusener für den Unter-Metzenseifner Dialekt zusammengestellt. In den Jahren bis 2012 wurde diese erste Wortsammlung des lokalen Dialekts, die im Rahmen einer Diplomarbeit entstand, überarbeitet, digitalisiert und 2013 in Buchform veröffentlicht.

Beispiele

Beispiel 1: Auszug Idiotikon K.G. Rumi
Beispiel 2: Auszug Mundarten J. Schröer
Beispiel 3: Auszug Gedicht E. Lindner
Beispiel 4: Auszug Lautlehre A. Gedeon

Beispiel 1: Auszug aus:
Beytrag zu einem Idiotikon der sogenannten gründnerischen Zipser Sprache (Rumi, Karl Georg., 1804 /48/)
(Auszug).

Beispiel 2: Auszug aus:
Versuch einer Darstellung der deutschen Mundarten des ungarischen Berglandes (Schröer, J., 1864 /33/)

Beispiel 3: Auszug aus:
Fliegende Blaetter in Zipser Mundart (Lindner, E., 1864 / /)
Gedicht Zur Siisen

Beispiel 4: Auszug aus:
Az Also-Meczenzefi nemet nyelvjaras hangtana [Die Lautlehre der Unter-Metzenseifner Mundart] (Gedeon, A., 1905 /3/)
Lautschrift (Dialekt Unter-Metzenseifen) für mit dem Buchstaben w beginende Worte